Hallo miteinander,
am Montag, den 15.03.2010 wurde mein rechtes, dominierendes KC-Auge in der Augenklinik Homburg/Saar vernetzt.
Zuhause hatte ich vorher die Bögen über Kostenübersicht, Patienteninfos, Aufklärung und Einverständniserklärung bereits durchgelesen, eine ärztliche Bescheinigung zur OP-Fähigkeit von meinem Hausarzt eingeholt und einen Medikamenten-Einnahmeplan erstellt, in dem ich meinen asthma-ählichen Husten erwähnte und die Medikamente, mit denen ich ihn dieses Jahr erfolgreich im Griff habe.
Mein Vater fuhr mich nach Homburg und meine Frau kam auch mit. Wir waren bereits kurz nach 12:00 Uhr da und ich meldete mich auf Station A 01, wo ich zwei Wochen vorher auch meinen OP-Termin bekam.
Dort erhielt ich einen 4-seitigen Bogen mit der Einverständniserklärung zum Unterschreiben und ein zusätzliches Blatt, in dem ich bestätigen musste, dass im Falle von Komplikationen erhebliche Mehrkosten als die in der Kostenübersicht erwähnten ca. 650 Euro plus 70 bis 90 Euro für die Nachuntersuchung, auf mich zukommen können. Das war für mich neu und sowas sollte man schon vorher erfahren und nicht erst am Tag der OP. Nicht jeder hat unbegrenzte Mittel. Ich jedenfalls nicht.
Pünktlich um 13:00 Uhr wurde ich dann zur OP abgeholt, die keine 30 m entfernt auf der gleichen Etage stattfand. Ich legte mich auf ein OP-Bett, bekam eine grüne Haube auf, eine Rolle unter die Kniekehlen, wurde bis zum Hals zugedeckt und in den OP geschoben.
Dort wurde aus Hygienegründen auch mein Gesicht mit einem blauen Tuch abgedeckt, in dem sich nur ein ca. 10 cm großes, kreisrundes Loch für die OP meines Auges befand. Nach einigen Vorbereitungen bekam ich im Abstand von einigen Minuten 4 mal Betäubungstropfen ins Auge, um es völlig unempfindlich gegen das Abschaben der Hornhaut zu machen.
Danach wurde der Bereich um das Auge mit einem braunen Bausch desinfiziert.
Mittlerweile hörte ich auch männliche Stimmen und das Abschaben der Hornhaut begann. Zu meiner Überraschung hörte ich, dass ein Arzt dem Anderen Ratschläge gab, wie er die Hornhaut abzuschaben habe. Ich fragte, ob Dr. Schröder, von dem ich vermutete, dass er die OP vornehmen sollte, anwesend sei und fragte ihn, wer der andere Arzt wäre, der das Abschaben vornahm. Dieser stellte ich als Dr. Schnaidt vor, der momentan von Dr. Schröder eingearbeitet wird, damit auch er künftig Vernetzungen vornehmen kann, die in Homburg seit ca. 4 Jahren durchgeführt werden. Obwohl ich wegen der grünen OP Hauben und dem Mundschutz nur die Augen der beiden Ärtze erkennen konnte, machten diese einen sympathischen Eindruck und ich hatte ohnehin keine Wahl.
Die OP ging weiter und ich denke, Dr. Schnaidt hat es gut gemacht, denn das Abschaben der Hornhaut war schmerzfrei und auch nicht so unangenehm, wie ich es erwartet hatte.
In der folgenden halben Stunde wurden immer wieder 2 Tropfen Riboflavin verabreicht, damit die aufgeraute Hornhaut es aufnehmen kann. Die Sicht wurde dann jedesmal kurzzeitig gelb.
Danach wurde ich gefragt, ob ich bequem liege, weil es wichtig sei, dass ich in der nächsten halben Stunde ruhig in die UVA-Lampe sehe, mit der das Riboflavin fixiert wird. Während dieser Zeit wird im Abstand von ca. 2,5 Minuten regelmäßig Riboflavin nachgetropft. Die UVA-Lampe selbst wirkt wie eine kreisförmige Anordnung von Leuchtdioden (eine im Zentrum und 5 oder 6 drum herum),
Bis dahin hatte ich keine Probleme, aber Gesicht und Körper waren immer noch komplett abgedeckt und meine Nase begann rechts zuzugehen. Ich hatte das Gefühl schlechter Luft zu bekommen, atmete schwer und versuchte mir immer wieder durch hochziehen der Nase Luft zu verschaffen. Mit meinem Asthma hatte es, wie ich glaube, aber nichts zu tun. Das fühlt sich anders an.
Die letzten 20 Minuten wurden für mich unerwarteter Weise zur Tortur. Auf meinen Wunsch wurde das Tuch über meinem Mund angehoben, damit ich besser Luft bekam, aber das nützte nicht viel. Ich hatte das Gefühl als bekäme ich Kreislaufprobeme und irgendwie Platzangst, was ich sonst gar nicht kenne.
Ich bekam einen Fühler an einen Finger meiner linken Hand, um meine Sauerstoffversorgung zu überwachen und wurde weiter aufgedeckt. Ich atmete tief und bemühte mich ruhig zu liegen, bis nach einer halben Stunde die UVA-Lampe endlich ausging.
Danach bekam ich eine weiche Schutzkontaktlinse ins Auge, was ich als unangenehm empfand. Vielleicht begann auch die Betäubung des Auges langsam nachzulassen.
Ich wurde aus dem OP geschoben, um 14:50 abgeholt (der Aufenthalt im OP-Bereich, hat also etwas mehr als 1,75 Stunden gedauert) und wieder zur Anmeldung auf Station A 01 gebracht.
Dort hatte ich einen Blutdruck von 160:100, was für meine Verhältnisse relativ hoch ist. Da der Brief für meinen Augenarzt noch nicht fertig war musste ich noch eine Weile im Wartezimmer zubringen.
In der Zwischenzeit besorgte mein Vater mir aus der Apotheke meine Medikamente. Man verschrieb mir Schmerztabletten (Tramal long 100 mg), Antibiotika-Tropfen (Floxal EDO) gegen Augeninfektionen und künstliche Tränen (Protagent SE). Kosten insgesamt: 46 Euro. Es ist also ratsam zur OP etwas Geld mitzunehmen.
Ich atmete immer noch schwer und hielt die Augen während der Wartezeit meist geschlossen, obwohl das Auge nicht sonderlich schmerzte. Trotzdem schien die Betäubung langsam nachzulassen und bis zum Erhalt des Briefs für meinen Augenarzt wurde ich langsam ungeduldig, war gereizt und wollte ich nur noch nach Hause. Unterwegs öffnete ich ab und zu kurz die Augen, um mich zu orientieren. Ich hätte wegen der Lichtempfindlichkeit eine Sonnenbrille mitnehmen sollen, woran ich vorher leider nicht dachte.
Zuhause angekommen nahm ich eine Schmerztablette (Tramal long) und bereits einige Minuten darauf ging es mir schon besser. Mir wurde gesagt, dass die Schmerztabletten relativ stark wären und ich habe nur eine benötigt.
Der Rest des Tages war erträglich. Ich dunkelte das Zimmer ab, setzte eine Sonnenbrille auf und hatte guten Appetit (ein halbes Hähnchen mit Pommes, das wir unterwegs von einem Hähnchenstand an unserem Ort noch besorgt hatten).
Am Auge hatte ich leichtes Kratzen, Brennen bzw. Druckgefühl ich weiß nicht, wie ich es genau beschreiben soll. Es war aber erträglich und vorzugsweise hielt ich meist beide Augen geschlossen.
In der Nacht lag ich von 2:00 bis 7:00 Uhr wach und sah ständig auf die Uhr, ohne mit dem Auge jedoch große Probleme zu haben.
Kurz nach 7:00 Uhr stand ich auf (Schmerztabletten benötigte ich keine mehr) und versuchte mit meinem linken Auge und einer Lupe die Beipackzettel der Antibiotika-Tropfen und der künstlichen Tränen zu entziffern, wobei ich erstere 4 mal täglich und die künstlichen Tränen 5 mal täglich (oder bei Bedarf öfter), in einem mit einem Mindestabstand von 15 Minuten, tropfen sollte. Ein Tropfen jeweils genügt.
Nach dem Frühstück vereinbarte ich einen Termin mit dem Augenarzt, bei dem ich um 10:30 Uhr sein sollte.
Während der Fahrt trug ich eine Sonnenbrille, was sich besonders im Freien empfiehlt. Sonnenstrahlen waren in den ersten beiden Tagen nach der OP sogar trotz Sonnenbrille unangenehm.
Der Augenarzt meinte, die Schutzkontaktlinse würde sehr fest aufliegen, aber er wolle sie nicht herausnehmen und die Hornhaut würde gut zuheilen.
Er wolle mich auf jeden Fall nach Entfernen der Schutzkontaktlinse (was am folgenden Freitag, im Homburg geplant war), montags darauf noch einmal sehen, um zu entscheiden, ob ich wieder arbeitsfähig sei.
Die folgenden Tage waren problemlos, wenn auch ziemlich trist und langweilig. Die einzige Abwechslung waren ab und zu Videos, die ich mir dem linken und geschlossenen rechten Auge ansah. Fernsehen fand ich uninteressant. Allzuviel außer Nachrichten und Doku-Sendern interessiert mich da ohnehin nicht. Im Allgemein hatte ich beim Sehen einen relativ guten Gesamteindruck, wobei die Sehleistung hauptsächlich vom linken, gesunden, aber generell schwächeren Auge kam. Lesen kann ich links nur mit Brille und ziemlicher Anstrengung. Rechts am operierten KC-Auge sah ich unscharf. Lesen von kleinen Schriften kann ich generell vergessen. Das schafft auch mein linkes Auge nicht. Den PC habe ich in den ersten Tagen testweise kurz angeschaltet und gleich darauf wieder heruntergefahren.
Das Antworten auf eine Mail war mir am dritten Tag nur möglich, weil ich bei meiner Brille das rechte Glas mit einem Tempotaschentuch umwickelt und mit Tesa außen festgeklebt hatte, um mein rechtes Auge zu schonen und mein linkes schwächeres Auge zu zwingen scharf zu sehen.
Davon hielten die Ärtze in Homburg gar nichts, aber in Kombination mit meinem dominierenden, rechten KC-Auge hatte ich auch links ein Unschärfegefühl, was das Lesen kleiner Schriften stark erschwert bzw. unmöglich macht. Dann musste ich zusätzlich eine Lupe verwenden.
Trotz abgedecktem rechten Auge hatte ich viele Tippfehler in der Mail, was ich erkannte, nachdem ich mir den Text nach Microsoft Word kopiert und in Schriftgröße 18 und Schriftfarbe blau umgestellt hatte.
Ein Korrekturlesen wäre sonst zur Tortur geworden.
Donnerstags hatte ich den Eindruck schon etwas besser zu sehen, aber am Freitag hatte ich morgens beim Öffnen er Augen ein unangenehmes Kratzen im Auge, was wohl von der bereits 4 Tage getragenen Schutzkontaktlinse kam. Daraufhin sah ich auch mehr Schleier als am Vortag, wobei ich befürchtete, die Schutzkontaktlinse könnte meine frisch fixierte Hornhaut beschädigt haben.
Ich sehnte mich danach, das Ding endlich los zu werden und hatte Gott sei Dank an diesem Freitag meinen Kontrolltermin in der Augenklinik Homburg.
Dort wurde von Dr. Schröder die Schutzkontaktlinse entfernt. Er meinte, die Hornhaut würde bereits gut aussehen und auch Dr. Schnaidt, der dazu kam, war mit dem Ergebnis zufrieden. Die Hornhaut wäre jetzt im Heilungsprozess und dadurch etwas dicker. Um dem entgegenzuwirken solle ich zusätzlich 5 mal am Tag einen Tropfen Kortison-Gel (Dexagel) ins Auge machen.
Kosten für 2 Tuben Dexagel: 27 Euro.
Die Antibiotika-Tropfen bräuchte ich nur noch bis nächste Woche zu nehmen. Viel davon habe ich sowieso nicht mehr.
Ich sprach die Beiden auch an, dass ich seit Abschaben der Hornhaut rechts, manchmal winzige kleine, schwarze Kreise wahrnehme, wenn ich in helle Bereiche (z.B. den PC-Monitor) sehe. Es sind nur wenige und ich empfinde sie nicht als störend. Wenn ich mich darauf konzentriere, wandern sie aus dem Sichtfeld.
Dr. Schröder meinte, das wären Glaskörpertrübungen, die viele Leute hätten. Für mich waren sie neu, aber meine Frau kennt sowas auch.
Außerdem interessierte mich, ob und ab wann ich das Auge wieder mit klarem Wasser waschen könnte.
Dr. Schnaidt empfahl mir in nächster Zeit mit dem Auge vorsichtig zu sein und nur drum herum zu waschen. Das Kortison-Gel und die künstlichen Tränen würden genügen.
Des weiteren fragte ich, ab wann ich wieder etwas Sport (leichtes Joggen) treiben könne. Seit einigen Jahren habe ich starke Gewichtsprobleme und in dieser Woche der Untätigkeit endgültig mein Höchstgewicht (100 kg) erreicht und das bei 1,76 m Körpergröße.
Früher nahm ich oft an Volksläufen teil (ca. 200 Läufe zwischen 1992 und 2006). Ich nahm an 14 Marathonläufen teil, absolvierte 1998 und 2002 den 80 km Nachtlauf in Karlsruhe und 2004 den 60 km Bärenfelslauf bei Nohfelden (Saarland), was mein härtester Lauf war. Für die 3 Runden a 20 km bei jeweils 500 m Höhendifferenz benötigte ich fast 9 Stunden. Eigentlich wollte ich eine Stunde schneller sein, aber wegen Schmerzen in meinem linken Knöchel hatte ich bereits in Runde 2 Probleme und musste in Runde 3 viele Gehpausen einlegen. Damals hatte ich noch mehr Energie und wog 83 kg, aber dann bekam ich Fersensporn und konnte monatelang gar nicht laufen.
Ich habe mein Gewicht immer durch lange Läufe reguliert, aber als ich mit orthopädischen Einlagen 4 Monate später wieder versuchte, damit anzufangen, hatte ich schon 7 kg zugenommen und damit 90 kg erreicht.
Fersensporn, Beschwerden im Knöchel und asthma-ähnlicher Husten hauptsächlich in den Wintermonaten trugen immer wieder dazu bei, dass ich mein Training unterbrechen musste und mehr und mehr zunahm. Irgendwann hatte ich keine Energie und keine Lust mehr und laufe heute nur noch sporadisch kleine Strecken von 4 bis 7 km. Kaum zu glauben, wie stark ich in den letzten 6 Jahren abgebaut habe.
Seit einem halben Jahr trage ich täglich schwarze Sportschuhe aus dem Laufladen, die auch zum Wandern geeignet sind und zusätzlich orthopädische Einlagen und habe seitdem keine Fußprobleme mehr.
Wie auch immer, Dr. Schnaidt riet mir vom Joggen ab.
Die ständigen Stöße wären nicht gut für das Auge, aber flottes Spazierengehen wäre okay. Diesen Ratschlag werde ich beherzigen und versuchen täglich ein paar km zu Gehen. Gehen ist zwar nicht so mein Ding, aber vielleicht schaffe ich es so, wieder abzunehmen und irgendwann den Spaß am Laufen zurückzugewinnen.
Momentan habe ich aber ganz andere Probleme.
Ich will endlich wieder vernünftig lesen können!!!
Mein nächster Termin in der Augenklinik Homburg ist am 15.04.2010 um 8:30 Uhr.
Eine Rechnung habe ich noch nicht bekommen.
Wenn ich sie kriege, werde ich sie zwar bezahlen, aber para llel dazu auch bei der Techniker Krankenkasse einreichen, auch wenn das nichts bringt.
Nächsten Montag, am 22.03.2010 um 11:30 habe ich meinen nächsten Termin beim Augenarzt.
Ich bin mal gespannt, wann er denkt, dass ich wieder Auto fahren kann.
Dieser Mammutbericht hat mich zwar angestrengt (ursprünglich in Microsoft Word verfasst mit Schriftgröße 18 und Schriftfarbe blau), aber erfreulicherweise scheine ich jetzt sogar besser zu sehen als vorher, was vermutlich daran liegt, dass die Schutzkontaktlinse seit gestern raus ist und ich regelmäßig Antibiotika-Tropfen und Kortison-Gel tropfe.
Vor dem Bericht sah ich rechts leicht verschwommen und konnte gar nichts lesen. Jetzt, einige Stunden später, kann ich rechts sogar kleinere Buchstaben erkennen.
Die leichten Doppelbilder sind noch da, aber ich sehe die Buchstaben, bis auf ein leichtes allgemeines Unschärfegefühl, rechts schon relativ scharf.
Nach einigen Tagen Sehbehinderung nach der OP bin ich begeistert!!!
Endlich sehe ich wieder was!!!
Nur mit meinem untergeordneten linken Auge könnte ich das Lesen von Schriftverkehr und E-Mails vergessen. Davon schmerzen die Augen und das strengt mich zu sehr an.
Als DV-Sachbearbeiter arbeite ich viel am PC und bei Hilfeanfragen Remote auch auf den PCs anderer Mitarbeiter, um deren Probleme zu lösen.
Wenn es sich um keine momentane Schwankung meiner Sehleistung handelt und sie sich noch etwas verbessert, bin ich sicher, dass ich nächste Woche wieder Arbeiten kann.
Dieser Bericht stellt meine subjektiven Eindrücke und mein Befinden während und nach der OP dar.
Ich hoffe damit, dem Ein oder Anderen, der mit dem Gedanken spielt sich vernetzen zu lassen, einen tieferen Einblick über den Ablauf der OP in der Augenklinik Homburg/Saar und den darauf folgenden Tagen gegeben zu haben.
Gruß
Michael