Letzten Freitag hatte ich den Termin für meine Keratoplastik an der Klinik Pallas in Olten, Schweiz. Operiert wurde ich von Prof. Matthias Böhnke, der hauptsächlich im Hamburg tätig ist und nur einmal im Monat für die OPs in die Schweiz kommt.
Hier nun also mein Tagebuch
Um 11:00 Uhr bin ich pünktlich in der Klinik eingetroffen und wurde umgehend in mein Zimmer begleitet. Dort wartete bereits ein älterer Herr auf seine OP. Trotz seinem hohen Alter von 86 Jahren wollte er auf seinem linken Auge die dritte Keratoplastik vornehmen, was ich bei seiner ausgezeichneten körperlichen und geistigen Verfassung allerdings gut verstehen konnte. Die Schwester erklärte uns beiden den Ablauf der OP und bestätigte meinen Termin für die Operation um 13:00 Uhr. Kurz danach erfolgte noch der obligate Besuch des Anästhesisten.
Etwa um halb Eins bereitete ich mit für die OP vor und ich habe das lustige Nachthemd angezogen. Es war dann allerdings bald klar, dass es Verspätung geben würde und ich war froh, dass ein Gesprächspartner im Zimmer war zum Diskutieren. Nach einiger Zeit wurde dann der dritte Patient direkt aus der OP ins Zimmer geschoben und wir konnten ihm beim Aufwachen aus der Narkose zuschauen. Dabei bekam ich zum ersten Mal ein etwas komisches Gefühl aber die Nervosität verschwand gleich wieder.
Anscheinend wurde mir dann noch ein anderer Patient vorgezogen und ich musste mich weiter gedulden. Als es dann soweit war und ich mich schon fast auf das Operationsbett gelegt hatte, bekam die Schwester ein Telefon und ich wurde wieder zurück in mein Zimmer geführt. Offensichtlich wurde wurde für eine andere Keratoplastik ein Gerät gebraucht, dass für meine OP zuerst wieder aufbereitet und sterilisiert werden musste. Also war zuerst der alte Herr aus meinem Zimmer an der Reihe.
Zum Glück hatte ich meine Nerven trotz dem langen Warten völlig im Griff und ich nahm die ganze Sache ziemlich gelassen. Im Zimmer konnte ich mich dann mit der Mutter des dritten, 19 jährigen, Patienten unterhalten. Bei ihm ist der Keratokonus erst vor einem Jahr aufgetreten und jetzt war er schon reif für eine KP. Das fand ich schon ziemlich krass! In 12 Monaten von 100 auf Null...
Kurz nach vier Uhr war ich dann allerdings wirklich an der Reihe! Endlich! Im Operations-Saal konnte ich mich noch einmal kurz mit dem Professor unterhalten und ich versuchte noch möglichst viele Eindrücke aus dem OP festzuhalten. Nach kurzem Small-Talk mit dem Anästhesisten über den milden Winter bin ich schnell und friedlich in die Vollnarkose eingeschlafen. Davor muss man sich wirklich nicht fürchten!
Die Operation hat dann ungefähr eine Stunde gedauert und war wohl etwas komplizierter als eine normale perforierende Keratoplastik wie der Professor später gesagt hat. Es wurde ein völlig neues Gerät für die lamelläre Keratoplastik eingesetzt. Leider weiss ich noch nicht genau, was für ein Gerät sie da benutzt haben aber das werde ich noch in Erfahrung bringen.
Gleich nach dem Aufwachen hatte ich noch Scherzen im Auge aber nach einer weiteren Stunde Schlaf war alles ok. Weil meine Krankenkasse aus unerklärlichen Gründen nicht bereit war, einen stationären Aufenthalt in der Klinik zu bezahlen, musste ich für die Nacht mit meiner Mutter in das anliegende Hotel umsiedeln. Eine Heimfahrt nach einer Vollnarkose und einer solchen Operation wäre wohl keine gute Idee gewesen!
Am nächsten Morgen war dann die Wirkung der Narkose weg und das Auge hat geschmerzt. Der Professor und der andere Doc waren beim Kontrolltermin mit ihrer Arbeit sehr zufrieden und wir haben uns dann noch ein wenig über Cross-Linking (auch in Olten wird wohl bald Cross-Linking angeboten, siehe auch den Thread von Markus über Vernetzen in Hamburg).
Samstag und Sonntag nach der OP bin ich dann fast nur in Bett gelegen. In diesen zwei Tagen musste ich noch Schmerzmittel nehmen und das hat ganz gut gewirkt. Seit Montag sind die Schmerzen aber weg, allerdings ist das Auge nach wie vor geschwollen und ich kann es kaum öffnen.
Gestern hatte ich den zweiten Kontrolltermin und es sieht immer noch alles ok aus. Leider ist der nachbehandelnde Arzt nicht so kommunikativ wie Prfoessor Böhnke und ich musste ihm alle Informationen einzeln aus der Nase ziehen.
Die Sicht auf dem operierten Auge ist natürlich noch Null resp. alles grau. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis die Wirtshornhaut mit dem Transplantat zusammenwächst aber dann wird der Visus sicher bald besser. Die Fäden können bei einer LKP früher gezogen werden als bei einer PKP, vielleicht schon nach 6 Monaten.
Mein Fazit bis jetzt: Eine Keratoplastik ist wirklich keine einfach Operation und sollte wirklich erst als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Die Zeit nach der OP ist nicht einfach und es braucht sehr viel Geduld.