Übersicht bisheriger Erfahrungswerte
Aus einigen Jahrzehnten der Praxis und aus vielen Veröffentlichungen von Studien lassen sich folgende Tendenzen ableiten:
- Vernetzung (CXL)
- A-Gruppe: ca. 50–70 % dauerhaft stabil
- B-Gruppe: ca. 10–20 % etwa 6–9 Jahre stabil
- C-Gruppe: ca. 5–10 %, kürzer als A/B
- Hornhauttransplantation
- Stabilitätsdauer: 3 Jahre bis über 30 Jahre
Erwartung vs. Realität der Aufklärungsgespräche
- Vor einer OP hört man häufig Aussagen wie:
- „Eine Vernetzung stabilisiert den Keratokonus dauerhaft.“
- „Eine Transplantation stellt dauerhaft gutes Sehen sicher.“
Einfluss der körpereigenen Regeneration
Der menschliche Körper regeneriert fortlaufend Zellen und Gewebe. Dabei unterscheidet man:
- einmalige Regeneration (z. B. Zähne)
- zyklische Regeneration (z. B. Menstruation)
- kontinuierliche Regeneration (betrifft praktisch alle Organe)
Welche Auswirkungen eine Vernetzung oder Transplantation auf:
- die Austauschgeschwindigkeit (Dauer) und
- die Austauschrate (Prozent der Zellen)
Mit der kontinuierlichen Regeneration werden im Laufe der Zeit auch die durch Vernetzung stabilisierten oder durch eine Transplantation ersetzten Zellen gegen eigene, körpereigene neue Hornhautzellen ausgetauscht. Dadurch kann – je nach individueller Situation – wieder ein Teil der ursprünglichen Instabilität entstehen.
Weitere Einflussfaktoren
Neben der biologischen Regeneration gibt es zahlreiche interne und externe Einflüsse, die das Ergebnis beeinflussen, z. B.:
- Verhalten in der Heilungsphase
- berufliche und private Belastungssituationen
- mechanische Belastungen (z. B. starkes Reiben)
- Begleiterkrankungen
- Unterschiede der angewandten Operationstechnik
- Kombination mehrerer Verfahren
Dennoch muss man sich bei progressivem Keratokonus entscheiden
Den Aussagen in den Werbeprospekten der Praxen und Kliniken sollte man also mit Vorsicht gegenübertreten. Eine wirkliche Garantie übernimmt kein Arzt und keine Klinik. Aber dennoch gibt es statistisch signifikant gesichert eine hohe Chance für eine dauerhafte Stabilisierung.
Die eigentliche Herausforderung bei der Entscheidungsfindung
Das Schwierigste ist häufig nicht die Wahl der Methode selbst, sondern eine realistische Einschätzung:
- Wie ist meine persönliche Ausgangslage?
- Was kann die Behandlung maximal bzw. minimal leisten?
- Bin ich bereit, dieses Spektrum an möglichen Ergebnissen zu akzeptieren?
Offene Frage
Unklar ist für mich weiterhin:
- Wie stark die theoretisch dauerhaft verstärkten Kollagenstrukturen in der Hornhaut tatsächlich regenerieren bzw. ersetzt werden.
- Ob und wie Vernetzung, Transplantation, Mini-ARK oder Laser-ARK die Regeneration von Zellen und Kollagenstrukturen beeinflussen.
Viele Grüße