Termine für den KeraLens-"Online-Stammtisch" der Keratokonus Selbsthilfegruppe:

2026: 11. Feb. - 8. Apr. - 10. Jun. - 12. Aug. - 14. Okt. - 9. Dez. 2026 (19:00 - 21:00 Uhr)
-- zum Teil mit Medizinern / Kontaktlinsenspezialisten (wird vorab bekannt gegeben).

Dauerhafter Link zum KeraLens-"Online-Stammtisch": https://lecture.senfcall.de/ker-358-fzk-yqk
(Keine Anmeldung, kein Passwort notwendig - einfach per "Click" zur angegebenen Zeit teilnehmen)

Weitere Infos zu den Stammtischen unter: https://www.forum.keratokonus.de/viewforum.php?f=152
(Zusätzlich oder als Alternative zu den regionalen Treffen.)
Die KeraLens-Accounts der Keratokonus Selbsthilfegruppe auf Instagram und Facebook werden im Verlauf von 2026 gelöscht/deaktiviert.

Es werden neue Kanäle aufgebaut, wie z.B. auf Mastodon und Bluesky. Weitere werden folgen.

Weitere Information und Diskussion dazu bitte hier: https://forum.keratokonus.de/viewtopic.php?t=6501

18 Jahre mit Keratokonus - und ohne OP

Der individuelle "Weg" bis zur Diagnose - was ist Keratokonus, habe ich überhaupt Keratokonus, was kann Man/Frau tun?.
Blinzelfisch
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KC-Experience: Mein Keratokonus brach im Jahr 1993 um meinen 16. Geburtstag herum auf - zusammen mit einer heftigen Masern-Infektion, was die Augenärzte aber (bisher) als reinen Zufall werten. Binnen von nur drei Jahren verlor ich auf dem rechten Auge ca. 80% meiner (ursprünglich überdurchschnittlichen) Sehkraft; das linke Auge dagegen entwickelte sich bis heute weit weniger dramatisch. Nach Konsultationen von drei sehr ratlosen Arnsberger Augenärzten wurde ich 1996/1997 in die Augenklinik der Uni Münster überwiesen, wo ich mit 19 Jahren die Diagnose eines beidseitigen Keratokonus erhielt. Die Sehstörung war auf dem rechten Auge schon viel zu weit fortgeschritten, als dass sie mit einer Brille noch hätte ausgeglichen werden können. Aufgrund dieser jahrelang unbehandelten Sehbehinderung hätte ich damals, in dem dafür typischen Alter, keinen Führerschein erwerben dürfen - den ich aber vor drei Jahren mit zwar über 30, doch ganz erfolgreich nachholte. Nur auf das Autofahren bei Dunkelheit verzichte ich aufgrund der extremen Blendempfindlichkeit von Keratokonus-Patienten nach Möglichkeit freiwillig.

Kurz vor Beginn meines Studiums wurde mein Keratokonus auf dem schwachen rechten Auge durch eine spezielle Keratokonus-Kontaktlinse so weit korrigiert, dass ich damit seither einen Visus von ca. 80 bis 90% erziele. Das linke, weit weniger stark betroffene Auge wurde erstmal für längere Zeit unkorrigiert gelassen, so dass ich auf beiden Augen ungefähr die gleiche Sehschärfe erreichte. Für Nichtbetroffene ungewöhnlich und schwer nachvollziehbar ist die enorme Streubreite der Keratokonus-Sehkraft je nach Tagesform, so dass bei mir schon Werte zwischen gerade mal 70% (Grenze zum Kfz-Fahrverbot) und fast 100 % gemessen wurden.

Seit 2000/2001 wird mein Keratokonus medizinisch von der Augenklinik der LMU München betreut. Mit den dort alle 2-3 Jahren ausgetauschten Spezial-Kontaktlinsen habe ich noch bessere Erfahrungen (deutlich höherer Tragekomfort) gemacht als mit jener ersten aus Münster. So bin ich u.a. auch während meiner 14 Umzüge in sechs Jahren durch vier Bundesländer immer der Münchner Augenklinik treu geblieben.

Mein starkes linkes Auge blieb bis 2005 unkorrigiert, seither hatte ich für dieses dann eine Brille, die ich nur gelegentlich, z.B. im Kino und beim Autofahren benutzte - weil sie mir, ganz typisch für Keratokonus, leider kaum eine optische Verbesserung brachte. Außerdem fand ich es recht umständlich, ein Auge durch Kontaktlinsen und das andere mit einer Brille (rechts mit Fensterglas) korrigieren zu müssen, so dass meine Tragemotivation nicht allzu hoch war. Das starke linke Auge verlor in den letzten Jahren aber dann doch spürbar an Sehkraft, was jedoch nicht am (nur minimal wachsenden) Keratokonus, sondern an einer zunehmenden Kurzsichtigkeit lag. Also erhielt ich dieses Jahr, ganze 15 Jahren nach der ersten Keratokonus-Kontaktlinse fürs rechte Auge, nun endlich auch eine fürs linke, womit ich u.a. beim Autofahren einen ganz anderen, subjektiv viel besseren Sehkomfort erreiche. Und auch wiederholte Messungen haben aktuell für das linke Auge ergeben: 100 % Sehkraft dank Keratokonus-Kontaktlinse!

In 2007 wurde mir an der Augenklinik der LMU München auch das Crosslinking als neuartige OP-Methode aus den USA angeboten. Ich sollte im Rahmen einer Keratokonus-Studie daran teilnehmen - mit kostenloser Nachholgarantie der OP, falls ich bei der Auslosung in die Placebo-Gruppe fallen sollte. Man wollte dort erstmal nur das bessere, linke Auge operieren anhand der Methode mit Riboflavin-(Vitamin B12)-Tropfen und UV-Bestrahlung. In Aussicht gestellt wurde mir eine Stabilisierung des Auges mit eventuellem Stillstand der Konus-Entwicklung. Da beide meine Augen zu diesem Zeitpunkt schon über 10 Jahre stabil waren in ihrer nur sehr moderaten Verschlechterung, habe ich mich gegen das OP-Risiko, die Schmerzen und die Ungewissheit entschieden und bin bei der konservativen Behandlung geblieben.

Eine Crosslinking-OP würde ich nach meinen Recherchen nur sehr jungen Patienten mit noch frischem, sich rasch entwickelndem Keratokonus empfehlen. Eine andere Indikation wäre für mich das Nicht(mehr)ansprechen eines Keratokonus auf (immer stärkere) Kontaktlinsen - als Ultima Ratio vor einer Hornhaut-Transplantation (Totenorganspende). Betroffenen hingegen, welche die akute Phase schon seit Jahren hinter sich haben und deren Sehstörung zufriedenstellend mit Kontaktlinsen korrigiert werden kann, würde ich von der OP eher abraten. Solche Patienten können wie ich einfach über die Jahre und Jahrzehnte die neuesten Behandlungsmöglichkeiten beobachten und sich ggf. noch später, mit mehr Erfahrungbasis der Augenmedizin, für einen Eingriff (vielleicht bis dahin für einen ganz anderen als das Crosslinking) entscheiden.

Ich hoffe, ich konnte irgendjemandem mit meinem Erfahrungsbericht ein wenig weiterhelfen. Insgesamt kann ich sagen: Mit einem durch Kontaktlinsen korrigierten Keratokonus lässt es sich im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts trotz Einschränkungen (z.B. bei der Berufswahl) ganz gut leben!

Mir kommt dabei zugute, dass die Dinge, die mich privat und beruflich am meisten interessieren und beschäftigen, sowieso meist im keratokonus-freundlich nahen Umkreis liegen: Menschen und deren Gesichter, gerade auch Kinder; Bücher, Bilder, Tiere und Computer. Nur auf Pilotenschein und Großwildjagd (beides sowieso nicht von mir angestrebt) werde ich wohl in meinem Leben verzichten müssen...

18 Jahre mit Keratokonus - und ohne OP

Post by Blinzelfisch »

ERFAHRUNGSBERICHT VON BLINZELFISCH (weiblich, Jg. 1977)

Mein Keratokonus brach im Jahr 1993 um meinen 16. Geburtstag herum auf - zusammen mit einer heftigen Masern-Infektion, was die Augenärzte aber (bisher :?: ) als reinen Zufall werten. Binnen von nur drei Jahren verlor ich auf dem rechten Auge ca. 80% meiner (ursprünglich überdurchschnittlichen) Sehkraft. :::surprise Das linke Auge dagegen entwickelte sich bis heute weit weniger dramatisch.

Nach Konsultationen von drei sehr ratlosen Augenärzten im ländlichen Sauerland wurde ich 1996/1997 in die Augenklinik der Uni Münster überwiesen, wo ich mit 19 Jahren die Diagnose eines beidseitigen Keratokonus erhielt. Die Sehstörung war auf dem rechten Auge schon viel zu weit fortgeschritten, als dass sie mit einer Brille noch hätte ausgeglichen werden können. Aufgrund dieser jahrelang unbehandelten Sehbehinderung hätte ich damals, in dem dafür typischen Alter, keinen Führerschein machen dürfen - den ich aber vor drei Jahren mit zwar über 30, doch ganz erfolgreich nachholte. :::smile1 Nur auf das Autofahren bei Dunkelheit verzichte ich aufgrund der extremen Blendempfindlichkeit von Keratokonus-Patienten nach Möglichkeit freiwillig. :::woot

Kurz vor Beginn meines Studiums wurde mein Keratokonus also auf dem schwachen rechten Auge durch eine spezielle Keratokonus-Kontaktlinse so weit korrigiert, dass ich damit seither einen Visus von ca. 80 bis 90% erziele. Das linke, weit weniger stark betroffene Auge wurde erstmal für längere Zeit unkorrigiert gelassen, so dass ich lange auf beiden Augen ungefähr die gleiche Sehschärfe erreichte. Für Nichtbetroffene ungewöhnlich und schwer nachvollziehbar ist die enorme Streubreite der Keratokonus-Sehkraft je nach Tagesform, so dass bei mir schon Werte zwischen gerade mal 70% (Grenze zum Kfz-Fahrverbot) und fast 100 % gemessen wurden. :::blink1

Seit 2000/2001 wird mein Keratokonus medizinisch von der Augenklinik der LMU München betreut. Mit den dort alle 2-3 Jahren ausgetauschten Spezial-Kontaktlinsen habe ich noch bessere Erfahrungen (deutlich höherer Tragekomfort) gemacht als mit jener ersten aus Münster. So bin ich u.a. auch während meiner 14 Umzüge in sechs Jahren durch vier Bundesländer immer der Münchner Augenklinik treu geblieben. :::smile1

Mein starkes linkes Auge blieb bis 2005 unkorrigiert, seither hatte ich für dieses dann eine Brille, die ich nur gelegentlich, z.B. im Kino und beim Autofahren benutzte - weil sie mir, ganz typisch für Keratokonus, leider kaum eine optische Verbesserung brachte. Außerdem fand ich es recht umständlich, ein Auge durch Kontaktlinsen und das andere mit einer Brille (rechts mit Fensterglas) korrigieren zu müssen, so dass meine Tragemotivation nicht allzu hoch war. Das starke linke Auge verlor in den letzten Jahren aber dann doch spürbar an Sehkraft, was jedoch nicht am (nur minimal wachsenden) Keratokonus, sondern an einer zunehmenden Kurzsichtigkeit lag. :::sad Also erhielt ich dieses Jahr, ganze 15 Jahren nach der ersten Keratokonus-Kontaktlinse fürs rechte Auge, nun endlich auch eine fürs linke, womit ich u.a. beim Autofahren einen ganz anderen, subjektiv viel besseren Sehkomfort erreiche. Und auch wiederholte Messungen haben aktuell für das linke Auge ergeben: 100 % Sehkraft dank Keratokonus-Kontaktlinse! :D

In 2007 wurde mir an der Augenklinik der LMU München auch das Crosslinking als neuartige OP-Methode aus den USA angeboten. Ich sollte im Rahmen einer Keratokonus-Studie daran teilnehmen - mit kostenloser Nachholgarantie der OP, falls ich bei der Auslosung in die Placebo-Gruppe fallen sollte. Man wollte dort erstmal nur das bessere, linke Auge operieren anhand der Methode mit Riboflavin-(Vitamin B12)-Tropfen und UV-Bestrahlung. In Aussicht gestellt wurde mir eine Stabilisierung des Auges mit eventuellem Stillstand der Konus-Entwicklung. Da beide meine Augen zu diesem Zeitpunkt schon über 10 Jahre stabil waren in ihrer nur sehr moderaten Verschlechterung, habe ich mich gegen das OP-Risiko, die Schmerzen und die Ungewissheit entschieden und bin bei der konservativen Behandlung geblieben. :::thumb

Eine Crosslinking-OP würde ich nach meinen Recherchen nur sehr jungen Patienten mit noch frischem, sich rasch entwickelndem Keratokonus empfehlen. Eine andere Indikation wäre für mich das Nicht(mehr)ansprechen eines Keratokonus auf (immer stärkere) Kontaktlinsen - als Ultima Ratio vor einer Hornhaut-Transplantation (Totenorganspende). Betroffenen hingegen, welche die akute Phase schon seit Jahren hinter sich haben und deren Sehstörung zufriedenstellend mit Kontaktlinsen korrigiert werden kann, würde ich von der OP eher abraten. Solche Patienten können wie ich einfach über die Jahre und Jahrzehnte die neuesten Behandlungsmöglichkeiten beobachten und sich ggf. noch später, mit mehr Erfahrungbasis der Augenmedizin, für einen Eingriff (vielleicht bis dahin für einen ganz anderen als das Crosslinking) entscheiden. :::glaskugel

Ich hoffe, ich konnte irgendjemandem mit meinem Erfahrungsbericht ein wenig weiterhelfen. Insgesamt kann ich sagen: Mit einem durch Kontaktlinsen korrigierten Keratokonus lässt es sich im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts trotz Einschränkungen (z.B. bei der Berufswahl) ganz gut leben. Mir kommt dabei zugute, dass die Dinge, die mich privat und beruflich am meisten interessieren und beschäftigen, sowieso meist im keratokonus-freundlich nahen Umkreis liegen: Menschen und deren Gesichter, gerade auch Kinder; Bücher, Bilder, Tiere und Computer. Nur auf Pilotenschein und Großwildjagd (beides sowieso nicht von mir angestrebt) werde ich wohl in meinem Leben verzichten müssen... :::grin
sabine s.
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Joined: 2005-05-30, 11:25
KC-Experience: 4x transplantiert, 3x an einem auge, immunsuppression wegen ständiger transplantatabstoßungen, glaukom bereits mehrmals operiert, beginnender katarakt an beiden augen. visus mit brille um die 35%. Kontaklinsenunverträglichkeit .
augen-op´s insges. 13x. bin bei prof. th. neuhann in behandlung.
5. transpl. steht in den starlöchern.??? mehr oder weniger. das 5. transplantat war bereits am anfang märz 08 gefunden worden. 2 h später, anruf vom Prof. er könne es nicht nehmen. jetzt muß ich also weiter warten.
nävus auf der netzhaut inoperabel, tumor in der orbita nähe des sehnerves.
visus bleibt erwiesenermaßen schlecht, bzw. verschlechtert sich zumindest in der nähe und an den äußeren gesichtsfeldrändern. visus scheint irgendwie zu stagnieren, komme gerade so zurecht, wobei das Lesen immer schwieriger wird.
Experience with eyeglasses / lenses: Sehr schnell wurden mir harte KC-Linsen angepaßt, die sich aber andauernd veränderten, so, daß der Anpasser gar nciht mehr nachgekommen ist.
Operationen: 1999 wurde die erste Keratoplastik gemacht. s.o. bei und von Prof. Thomas Neuhann. Alle anderen Keratoplastiken (mit wachsendem Vergnügen, ebenfalls vom Prof. Neuhann der sich absolut rührend um mich kümmert. Div. Trabekulektomien, Div. Cortisonspülungen....................alles zwar Operationen, aber immer irgendwie im Vorbeigehen.
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Re: 18 Jahre mit Keratokonus - und ohne OP

Post by sabine s. »

hallo blinzelfisch.

DANKE, für deinen wirklich anschaulichen und sehr guten bericht.
ich denke, damit kannst du vielen weiterhelfen, vor allem jenen, die sehr mit ihrem KC-schicksal hadern.

wünsche dir weiterhin alles gute und hoffe, daß du dich hier ab und zu mit deinen erfahrungen einbringst.

grüßle
sabine
Blinzelfisch
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KC-Experience: Mein Keratokonus brach im Jahr 1993 um meinen 16. Geburtstag herum auf - zusammen mit einer heftigen Masern-Infektion, was die Augenärzte aber (bisher) als reinen Zufall werten. Binnen von nur drei Jahren verlor ich auf dem rechten Auge ca. 80% meiner (ursprünglich überdurchschnittlichen) Sehkraft; das linke Auge dagegen entwickelte sich bis heute weit weniger dramatisch. Nach Konsultationen von drei sehr ratlosen Arnsberger Augenärzten wurde ich 1996/1997 in die Augenklinik der Uni Münster überwiesen, wo ich mit 19 Jahren die Diagnose eines beidseitigen Keratokonus erhielt. Die Sehstörung war auf dem rechten Auge schon viel zu weit fortgeschritten, als dass sie mit einer Brille noch hätte ausgeglichen werden können. Aufgrund dieser jahrelang unbehandelten Sehbehinderung hätte ich damals, in dem dafür typischen Alter, keinen Führerschein erwerben dürfen - den ich aber vor drei Jahren mit zwar über 30, doch ganz erfolgreich nachholte. Nur auf das Autofahren bei Dunkelheit verzichte ich aufgrund der extremen Blendempfindlichkeit von Keratokonus-Patienten nach Möglichkeit freiwillig.

Kurz vor Beginn meines Studiums wurde mein Keratokonus auf dem schwachen rechten Auge durch eine spezielle Keratokonus-Kontaktlinse so weit korrigiert, dass ich damit seither einen Visus von ca. 80 bis 90% erziele. Das linke, weit weniger stark betroffene Auge wurde erstmal für längere Zeit unkorrigiert gelassen, so dass ich auf beiden Augen ungefähr die gleiche Sehschärfe erreichte. Für Nichtbetroffene ungewöhnlich und schwer nachvollziehbar ist die enorme Streubreite der Keratokonus-Sehkraft je nach Tagesform, so dass bei mir schon Werte zwischen gerade mal 70% (Grenze zum Kfz-Fahrverbot) und fast 100 % gemessen wurden.

Seit 2000/2001 wird mein Keratokonus medizinisch von der Augenklinik der LMU München betreut. Mit den dort alle 2-3 Jahren ausgetauschten Spezial-Kontaktlinsen habe ich noch bessere Erfahrungen (deutlich höherer Tragekomfort) gemacht als mit jener ersten aus Münster. So bin ich u.a. auch während meiner 14 Umzüge in sechs Jahren durch vier Bundesländer immer der Münchner Augenklinik treu geblieben.

Mein starkes linkes Auge blieb bis 2005 unkorrigiert, seither hatte ich für dieses dann eine Brille, die ich nur gelegentlich, z.B. im Kino und beim Autofahren benutzte - weil sie mir, ganz typisch für Keratokonus, leider kaum eine optische Verbesserung brachte. Außerdem fand ich es recht umständlich, ein Auge durch Kontaktlinsen und das andere mit einer Brille (rechts mit Fensterglas) korrigieren zu müssen, so dass meine Tragemotivation nicht allzu hoch war. Das starke linke Auge verlor in den letzten Jahren aber dann doch spürbar an Sehkraft, was jedoch nicht am (nur minimal wachsenden) Keratokonus, sondern an einer zunehmenden Kurzsichtigkeit lag. Also erhielt ich dieses Jahr, ganze 15 Jahren nach der ersten Keratokonus-Kontaktlinse fürs rechte Auge, nun endlich auch eine fürs linke, womit ich u.a. beim Autofahren einen ganz anderen, subjektiv viel besseren Sehkomfort erreiche. Und auch wiederholte Messungen haben aktuell für das linke Auge ergeben: 100 % Sehkraft dank Keratokonus-Kontaktlinse!

In 2007 wurde mir an der Augenklinik der LMU München auch das Crosslinking als neuartige OP-Methode aus den USA angeboten. Ich sollte im Rahmen einer Keratokonus-Studie daran teilnehmen - mit kostenloser Nachholgarantie der OP, falls ich bei der Auslosung in die Placebo-Gruppe fallen sollte. Man wollte dort erstmal nur das bessere, linke Auge operieren anhand der Methode mit Riboflavin-(Vitamin B12)-Tropfen und UV-Bestrahlung. In Aussicht gestellt wurde mir eine Stabilisierung des Auges mit eventuellem Stillstand der Konus-Entwicklung. Da beide meine Augen zu diesem Zeitpunkt schon über 10 Jahre stabil waren in ihrer nur sehr moderaten Verschlechterung, habe ich mich gegen das OP-Risiko, die Schmerzen und die Ungewissheit entschieden und bin bei der konservativen Behandlung geblieben.

Eine Crosslinking-OP würde ich nach meinen Recherchen nur sehr jungen Patienten mit noch frischem, sich rasch entwickelndem Keratokonus empfehlen. Eine andere Indikation wäre für mich das Nicht(mehr)ansprechen eines Keratokonus auf (immer stärkere) Kontaktlinsen - als Ultima Ratio vor einer Hornhaut-Transplantation (Totenorganspende). Betroffenen hingegen, welche die akute Phase schon seit Jahren hinter sich haben und deren Sehstörung zufriedenstellend mit Kontaktlinsen korrigiert werden kann, würde ich von der OP eher abraten. Solche Patienten können wie ich einfach über die Jahre und Jahrzehnte die neuesten Behandlungsmöglichkeiten beobachten und sich ggf. noch später, mit mehr Erfahrungbasis der Augenmedizin, für einen Eingriff (vielleicht bis dahin für einen ganz anderen als das Crosslinking) entscheiden.

Ich hoffe, ich konnte irgendjemandem mit meinem Erfahrungsbericht ein wenig weiterhelfen. Insgesamt kann ich sagen: Mit einem durch Kontaktlinsen korrigierten Keratokonus lässt es sich im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts trotz Einschränkungen (z.B. bei der Berufswahl) ganz gut leben!

Mir kommt dabei zugute, dass die Dinge, die mich privat und beruflich am meisten interessieren und beschäftigen, sowieso meist im keratokonus-freundlich nahen Umkreis liegen: Menschen und deren Gesichter, gerade auch Kinder; Bücher, Bilder, Tiere und Computer. Nur auf Pilotenschein und Großwildjagd (beides sowieso nicht von mir angestrebt) werde ich wohl in meinem Leben verzichten müssen...

Re: 18 Jahre mit Keratokonus - und ohne OP

Post by Blinzelfisch »

Hallo Sabine,

freut mich, dass dir mein Bericht augen-scheinlich :::wink2 gefallen hat...

Vielleicht sollte ich noch anfügen (falls dies nicht eindeutig war), dass mein Visus auf dem schwachen rechten Auge OHNE Korrektur seit ca. 2007 nur noch ca. 10% bzw. 0,1 beträgt. Ohne Kontaktlinse bin ich auf dem schwachen Auge so blind, dass ich eine Person erst aus Distanzen von max. einem Meter einigermaßen sicher identifizieren kann. Die oben genannten, tollen Visus-Werte habe ich natürlich nur MIT Korrektur - aber die eben schon seit vielen Jahren sehr stabil.

Daher: Werte zwischen 80 und 100 % Sehkraft sind ein schöner Erfolg der Augenmedizin, mit denen ich sehr gut leben kann. :::thumb

Ebenfalls Grüßle,

Blinzelfisch
GEO
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Joined: 2011-11-22, 16:02
KC-Experience: 1991 kam ich beruflich nach Karlsruhe und von da an konnte ich feststellen, dass sich etwas mit meiner Sehschärfe, insbesondere nachts, tat. Ich sah Lichtreflexe hauptsächlich auf dem linken Auge, die mit der Zeit immer stärker wurden. Das rechte Auge folgte, jedoch nicht so stark. Über die Jahre verschlechterte sich dieses Phänomen, links deutlich (30%) rechts verhalten. Kontaktlinsen halfen zwar bei der Sehschärfe, sind jedoch unerträglich. Die Lichtreflexe, ich weiß nicht wie ich es sonst benennen soll, wurde verlagert, sodass es keine Notwendigkeit gab, die Tortur durchzuziehen. In letzter Zeit verschlechtert sich die Situation auch rechts, sodass ich wieder mal, wie alle paar Jahre, mich am informieren bin.

Re: 18 Jahre mit Keratokonus - und ohne OP

Post by GEO »

Hallo und vielen Dank für diese Darstellung!

Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigt mich dieses Thema da ich ein Betroffener bin. Aber gleich zu Beginn habe ich festgestellt, dass es hierzu keine eindeutig heilende Behandlung gab und wie ich nun erkenne, immer noch nicht gibt. Alle paar Jahre (4/5) überkommt mich der Wunsch, mich wieder einmal zu informieren. Somit kam ich auf diese Seite und zu deinem Bericht "Binzelfisch".

Vor ein paar Jahren habe ich mir bei einem Optiker Linsen anfertigen lassen. Unerträglich, einfach unerträglich diese Dinger. Nicht dass ich ein Weichei wäre, ich habe mir wirklich Mühe gegeben, Wochen lang, aber das Resultat rechtfertigte die Qualen nicht. Die Sehkraft am Tage war zwar besser, in der Nacht jedoch, beim Autofahren, waren die Lichtreflexe, die vorher nachunten gingen nun so stark nach oben usw., dass ein Tragen in der Nacht nicht in Frage kam.

Darüber hinaus war das Tragen so unangenehm im Auge, dass ich nur noch meine Brille beim Fahren und Fernsehschauen aufhabe, die natürlich den KC nicht korrigiert. Links habe ich 30%, somit ist die Sehkraft unbrauchbar und rechts ist sie soweit in Ordnung aber hier bemerke ich eine schleichende Verschlechterung des KC. Du sprichst von guten Resultaten durch die Linsen und wie ist der Tragekomfort? Das würde mcih mal interessieren.

Grüße
Gregor
ekatl
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Joined: 2017-07-25, 12:30
KC-Experience: z.B.: Erste Diagnose 1995, bei Augenarzt Dr. Frankenstein / Klinik Frankenstein's castle
z.B.: Erste Vernetzung: links, 2000, Hamburg, Klinik am Stadtrand
z.B.: Erste Transplantation: rechts, 2010, München, Klinik in der Mitte

Re: 18 Jahre mit Keratokonus - und ohne OP

Post by ekatl »

Hallo,

vielen Dank für den Bericht! Ich habe Probleme mit Linsen, ich die nicht lange tragen. Kannst du bitte sagen wo hast du die Anpassung der Linsen bekommen?
Danke!
hans0r
-
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Joined: 2017-09-28, 16:49
KC-Experience: z.B.: Erste Diagnose 2017

Re: 18 Jahre mit Keratokonus - und ohne OP

Post by hans0r »

Also ich hadere ja schon mit dem Schicksal, da bei mir ein leichter Konus mit -1,5 Verkrümmung einseitig ist, wenn ich aber lese, dass sich andere Leute seit Jahren damit quälen wird mir anders. Was machen eigentlich die Medizinforscher den ganzen Tag so scheinbar seit Jahrzehnten? Nur Kaffee trinken und warten, dass die Arbeitszeit vorbeigeht? In meinem Berufsfeld gibt es für jedes Problem mindestens eine Lösung, wenn nicht mehrere. Wenn die Medizin bei einer Hornhautkrankheit schon komplett versagt, will ich wirklich nichts schlimmeres als das bekommen..
Btw: Ist Crosslinking nicht eine deutsche "Erfindung"? Hatte irgendwas im Zusammenhang mit einem Dresdner Klinikum gelesen..