ich bin 28, heiße Angelika, und bei mir wurde am 15.11.2010 von Prof. Neuhann und seiner Tochter eine Keratoplastik am rechten Auge durchgeführt. Weil ich mich vor meiner OP viel hier im Forum informiert habe, möchte ich jetzt auch von meiner erzählen.
Ich versuche, das relativ übersichtlich zu machen, bei Unklarheiten kann man natürlich auch gerne nachfragen
Krankheitsgeschichte:
Der Keratokonus trat bei mir erstmals auf als ich 21 war, beidseitig, und wurde auch sofort diagnostiziert, weil sowohl meine Mama als auch mein Onkel betroffen sind (beide auch transplantiert, meine Mama auch erst seit Sommer 2010, da konnte ich mir alles schon mal genau ansehen . Ich kam mit formstabilen Kontaktlinsen eigentlich immer gut zurecht, obwohl die Sehstärke schon kontinuierlich abnahm. Irgendwann im Winter 2009/2010 hat sich dann rechts zentral die Hornhaut eingetrübt. Als ich das bemerkte und zu dem Arzt bin, bei dem ich sonst wegen KK immer war. meinte der flapsig „eigentlich würde ich mit Ihnen jetzt über eine Keratoplastik reden, aber bei Ihrer Haut wächst uns die ja nie an…“
Ich verließ ich die Praxis mit einem Rezept für neue Linsen und hab 2 Tage geheult
Weil zu dieser Zeit meine Mama gerade die vorbereitenden Untersuchungen bei Prof. Neuhann hatte, bin ich da mitgefahren und hab den Meister dann gleich höchstselbst dazu befragt, und er hat sich sogar die Zeit genommen und das Auge angeschaut und gemeint: „Wir haben noch jeden irgendwie hingebracht“
Es war angedacht, relativ zügig eine lamelläre KP zu machen, eben wegen dem erhöhten Risiko bei einer durchgreifenden KP. Er meinte, dass die Chancen, dass man lamellär operieren könnte bei meinem jungen Alter relativ hoch seien. Bei meinem nächsten Termin in der Praxis kam ich auf die Warteliste mit doppelter Geschwindigkeit, weil entschieden wurde, dass ich am Besten im Herbst operiert werden sollte, dass das Auge so lange Zeit wie möglich zum Heilen hat, bevor die Allergie-Zeit im Frühling kommt. Weil auch meine Neurodermitis stark von den Pollenflug beeinflusst wird.
Die OP:
Ich hatte im Sommer dann ja die KP und Heilungsverlauf meiner Mama „mitverfolgen“ können und wusste, dass man beim Prof. Neuhann und im Rotkreuzkrankenhaus in den besten Händen ist, aber am Morgen der OP gings mir dann trotzdem eher nur so mittel...
Ich wartete den ganzen Vormittag auf meinem Bett und wurde um ca 14 Uhr ins OP-Zentrum geholt und bekam dann die Beruhigungsinfusion und erste Spritze. Irgendwie war ich auch nur auf eine Spritze eingestellt gewesen, doch die hat nicht ausreichend gewirkt, so dass noch einige Male nachgespritzt werden musste, als ich schon auf dem OP-Stuhl lag…
Naja, irgendwie hab ich mich in dieser Wartezeit in so ne Panik reingesteigert, die natürlich letztendlich unbegründet gewesen ist, weil als dann endlich die OP selber losging und die Beruhigungsinfusion so richtig wirkte, das Ganze überhaupt nicht schlimm war, und schmerzhaft schon gar nicht. Am ehesten trifft es noch das Wort „faszinierend“, was man da so alles sieht... Irgendwie bin ich dann in so nen meditativen Zustand gefallen, so dass ich jetzt nicht genau den Ablauf schildern kann. Erst dann wieder, als das Endothel freigelegt war und sich leider, leider herausstellte, dass es schon beschädigt war und ich hörte das auch schon an den Gesprächen der anwesenden Ärzte: „Da ist Wasser ausgetreten“, „Jetz ist da Luft drin!?“
Ich glaub, deswegen dauerte es dann auch länger (und wegen der Warterei mit den Spritzen). Insgesamt war ich nach 2,5 Std wieder mit verbundenem Auge in meinem Bett.
Im Krankenhaus:
In der Nacht, als die Betäubung nachgelassen hat, hab ich schon ziemliche Schmerzen gekriegt, die aber durch eine Schmerztablette wieder weg gegangen sind und später auch nie wieder kamen.
Am nächsten Morgen, als der Verband abgenommen wurde, hat das Auge in einer Tour getränt, also wirklich eine Krokodilsträne nach der anderen, und das ging auch so ziemlich die ganze Krankenhaus-Zeit so. außerdem war das Auge so stark geschwollen, dass ich es selber kaum öffnen konnte. Ich hab es nur kurz versucht, aufzumachen und das Ende meines Bettes gesehen und meine Hand, aber da war so viel Flüssigkeit, dass ich mir nicht sicher war, wie gut ich sehe. Bei der ersten Kontrolle hat die Ärztin auch erst mit der Hand vor mir rumgewedelt, ob ich die Bewegung sehe, aber ich hab sofort schon eine wohlgeformte, wunderschöne „9“ an der gegenüberliegenden Wand gesehen
Also 5%, aber nicht verzerrt, nicht doppelt, und richtig schwarz, nicht so grau wie vorher durch die Trübung.
Seit dem Moment war ich so richtig glücklich und die restliche Krankenhauszeit hab ich als sehr angenehm in Erinnerung. Am 2. Tag warens schon 10% und das Epithel hatte sich geschlossen. Trotzdem hatte ich das Auge meistens noch geschlossen, erstens wegen der Schwellung und zweitens, weil mein Hirn das alles noch nicht so richtig verarbeiten konnte. Ich hab das Auge nur immer einen Moment aufgemacht und mich gefreut
Am 5. Tag wurde ich mit 10% entlassen und sollte zur Nachbehandlung Dexagel 4x und Corneregel (weiß nicht mehr wie oft) nehmen und war 4 Wochen krankgeschrieben.
Danach:
Ich hatte mich entschieden, auch zur Nachsorge in die Praxis vom Prof. Neuhann zu gehen, weil ich es nicht weit habe und mich da einfach in den besten Händen fühle.
Ziemlich schnell hatte ich 20% erreicht, aber ca. 3 Wochen nach der Entlassung ist bei der Kontrolle rausgekommen, dass das Epithel wieder offen war. Es hatte bei der Anwendung vom Corneregel auch mal zwischenzeitlich gebrannt, das war aber gleich wieder vergangen, weshalb ich nicht gleich zum Arzt gegangen war.
Das Epithel war zwar zu, aber noch sehr trocken, deswegen haben sie mir noch Serum-Tropfen angefertigt. Das sind Tropfen aus dem eigenen Blutplasma und Kochsalszlösung, was besonders gut für die Oberfläche ist. Ich bin total begeistert davon und lasse mir die auch weiter machen, weil die nicht so kleben wie Liposic oder Corneregel. Anstatt Dexagel nehm ich mittlerweile Predni-Ophtal Gel, weil das auch besser für die Oberfläche ist.
Seit diesem offenen Epithel ist alles in bester Ordnung, und ich sehe auch immer noch kontinuierlich besser, bei der letzten Kontrolle (also nach 2 Monaten) waren es bereits über 40%.
Nach 4 Wochen bin ich auch wieder arbeiten gegangen. Weil ich freie Mitarbeiterin bin, konnte ich auch einfach halbtags anfangen und die Arbeitszeit langsam steigern.
Alles in allem geht es mit total gut, ich freu mich immer noch jeden Morgen wie ein Schnitzel, wenn ich den Wecker lesen oder am Wochenende auch mal ohne Linsen zum Supermarkt gehen kann.
Bleibt nur zu hoffen, dass mein Immunsystem auch weiterhin so brav mitmacht!
Ich werde versuchen auch weiterhin den Verlauf hier zu schilden,
Liebe Grüße, Angelika