Termine für den KeraLens-"Online-Stammtisch" der Keratokonus Selbsthilfegruppe:

2026: 11. Feb. - 8. Apr. - 10. Jun. - 12. Aug. - 14. Okt. - 9. Dez. 2026 (19:00 - 21:00 Uhr)
-- zum Teil mit Medizinern / Kontaktlinsenspezialisten (wird vorab bekannt gegeben).

Dauerhafter Link zum KeraLens-"Online-Stammtisch": https://lecture.senfcall.de/ker-358-fzk-yqk
(Keine Anmeldung, kein Passwort notwendig - einfach per "Click" zur angegebenen Zeit teilnehmen)

Weitere Infos zu den Stammtischen unter: https://www.forum.keratokonus.de/viewforum.php?f=152
(Zusätzlich oder als Alternative zu den regionalen Treffen.)
Die KeraLens-Accounts der Keratokonus Selbsthilfegruppe auf Instagram und Facebook werden im Verlauf von 2026 gelöscht/deaktiviert.

Es werden neue Kanäle aufgebaut, wie z.B. auf Mastodon und Bluesky. Weitere werden folgen.

Weitere Information und Diskussion dazu bitte hier: https://forum.keratokonus.de/viewtopic.php?t=6501

Was bedeutet vernetzen lassen ???

Der individuelle "Weg" bis zur Diagnose - was ist Keratokonus, habe ich überhaupt Keratokonus, was kann Man/Frau tun?.
Hans-J. Hirche
-
Posts: 483
Joined: 2003-12-03, 19:40
KC-Experience: beidseitiger Keratokonus;
Korrektur mit formstabilen (harten) Kontaktlinsen. - - -

Mein Keratokonus ist immer noch aktiv. Ich hoffe das er irgendwann einmal zum stehen kommt (die Hoffnung stirbt zuletzt). Alles in allem sollte man diese Erkrankung frei nach Monthy Python betrachten: ...Always look on the bright site of life

Alles in allem habe ich wider Erwarten gute Erfahrungen mit meinen harten Kontaktlinsen gemacht. Tragezeiten von bis zu 18+ Stunden sind inzwischen machbar.

Epi off Crosslinking rechts

beidseitiger grauer Star - künstliche Augenlinsen - nun weitsichtig (vorher sehr kurzsichtig)
Keratoconus since: ca. 1993
Operationen: Crosslinking rechts am 19.12.2016

Re: Was bedeutet vernetzen lassen ???

Post by Hans-J. Hirche »

Hallo Stefan,
auf den Seiten des Uniklinikums in Dresden habe ich folgende Beschreibung zu Deiner Frage gefunden:

Quelle: http://augen.uniklinikum-dresden.de/seite.asp?ID=104

Was versteht man unter einer Vernetzungs-Behandlung?

Ziel der Hornhaut-Vernetzung ist es die Stabilität der Hornhaut zu festigen. Das Hauptgewebe der Hornhaut (Stroma) ist aus einzelnen Kollagenfasern aufgebaut, die miteinander in Verbindung stehen. Durch eine spezifische Behandlung des Hornhautstromas (Abtrag der oberflächlichen Schutzschicht, Aufbringen eines Photosensibilisators - Riboflavin [Vitamin B2] mit nachfolgender 30 min. Bestrahlung des Hornhautgewebes mit UVA Licht) lassen sich zusätzliche Verbindungen zwischen den einzelnen Kollagenfasern erzeugen, sogenannte Quervernetzungen. Die einzelnen Fasern bilden somit untereinander ein "dichteres Geflecht", was zu einer Erhöhung der Gesamtstabilität der Hornhaut führt.
Unsere Ergebnisse nach nunmehr 3 ½ Jahren zeigen, dass es bei den behandelten Patienten in diesem Zeitraum zu keinem weiteren Voranschreiten des Keratokonus gekommen ist.
Spätergebnisse (10 oder 15 Jahresergebnisse) liegen aufgrund der noch jungen Methode verständlicherweise noch nicht vor. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt finden sich jedoch keine Hinweise für mögliche Spätkomplikationen bzw. sonstige unerwünschte Nebeneffekte, so dass wir optimistisch sind, dass bei rechtzeitiger Diagnosestellung eine Befund- und Visus-stabilisierung ohne notwendige Hornhautübertragung möglich ist.


Kollagenvernetzung als Therapieoption

Der Keratokonus ist eine zumeist bilateral auftretende Degeneration mit kegelförmiger Vorwölbung der Kornea. Der Begriff wurde Anfang des 19. Jahrhunderts durch von Ammon geprägt. Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch eine progrediente Verdünnung, sogenannte Vogtsche vertikale Linien an der Descemet-Membran, eine verstärkte Zeichnung von Nervenfasern, einen Fleischer-Ring an der Basis (50%), Rupturen der Descemet- sowie der Bowman-Membran. Zirka 21% der Patienten erhalten im Verlauf der Erkrankung eine perforierende Keratoplastik. Die Ursache der Erkrankung ist noch unklar - so M. Kohlhaas (Dresden). Es werden Enzymveränderungen im Epithel mit erhöhter Expression von lysosomalen und proteolytischen Enzymen und Veränderungen der stromalen Matrix (Ungleichgewicht von Keratan- und Dermatansulfat) diskutiert.
Die Inzidens des Keratokonus beträgt zirka 1/2000. Die Ektasie beginnt typischerweise in der Pubertät. Eine genetische Komponente ist sehr wahrscheinlich. Die Häufigkeit familiärer Erkrankungen schwankt je Literatur zwischen 5% bis 20%. Das Vererbungsmuster kann sowohl autosomal dominant als auch autosomal rezessiv sein. Verschiedenste okuläre und/oder nicht okuläre Erkrankungen können mit einem Keratokonus vergesellschaftet sein, z. B.: atopische Dermatitis und Keratitis, Keratokonjunktivitis vernalis (bis zu 35%), Down-Syndrom (mit einer Inzidenz von 5-15%) sowei dasEhlers-Danlos-Syndrom.
Hinweise auf einen Keratokonus geben: in der Anamnese die häufige Änderung der Brillenstärke (zunehmende Myopie und Astigmatismus), ein veränderter Lichtreflex bei der Skiaskopie sowie der Spaltlampenbefund mit inferiorer Ausrichtung der Konusspitze und beginnendem irregulären Astigmatismus.

Als therapeutische Maßnahmen werden die Brille, rotations- oder nichtrotationssymmetrische Kontaktlinsen, die Epikeratophakie (obsolet), die lamelläre und perforierende Keratoplastik, sogenannte Intacs (intrastromale Kunststoffringsegmente) sowie die Kollagenvernetzung mit Riboflavin und UVA-Licht eingesetzt Die Behandlung des Keratokonus mittels Kollagenvernetzung beruht auf einer signifikanten Verfestigung des Hornhautstromas durch eine photochemische Vernetzung der Kollagenfasern. Diese Vernetzungsbehandlung erfolgt in topischer Anästhesie. Nach einer Epithelabrasio wird Riboflavin (Vitamin B) auf das Auge getropft und 30 Minuten mit 365 nm UVA-Licht bestrahlt. In einer Nachuntersuchung von 48 Patienten (60 Augen) im Alter von 13 bis 58 Jahren, bei denen eine Kollagenvernetzung erfolgt war, konnte gezeigt werden, daß kein Patient eine Progression aufwies (Nachbeobachtungszeit 1-38 Monate). 51.7% der Patienten zeigten eine Regression der maximalen K-Werte von -2.87+/-2.56 dpt (0.18 bis 9.97 D). Dabei stieg der postoperative Visus um 1.4+/-2.04 Linien an. Es waren keine Nebenwirkungen wie Linsentrübungen oder Endothelzellverlust nachweisbar. Lediglich in den ersten 2 bis 3 Monaten nach der Vernetzung war eine oberflächliche Hornhauttrübung im Sinne eines diskreten Haze sichtbar. In der Regel heilt diese zarte Trübung ohne Thearpie ab, es kann aber auch unterstützend mit einer Salbentherapie (pflegende Substanzen) oder mit einem schwach wirksamen Steroid (z. B. Efflumidex oder Vexol) behandelt werden.
Durch diese Kollagenvernetzung, die nur eine Verfestigung der oberen 200-250 µm der Hornhaut bewirkt, werden die biomechanischen Eigenschaften der Hornhaut modifiziert. Tiefer gelegene Strukturen werden nicht geschädigt. Durch diesen Eingriff wird die Progression der Keratektasie gestoppt. Damit könnte in Zukunft die Zahl der Keratoplastiken deutlich reduziert werden. Die Behandlung ist relativ einfach und verursacht nur geringe Kosten.

Fazit: Bei Keratokonuspatienten sind alle 6 - 12 Monate Kontrollen erforderlich. Ist der Befund stabil, kann mit einer Brille oder Kontaktlinse behandelt werden. Liegt eine Progression vor, ist bereits im Keratokonusfrühstadium eine Kollagenvernetzung indiziert.
Grüsse

Hans


...always look on the bright side of life ... (life of Brian)