Termine für den KeraLens-"Online-Stammtisch" der Keratokonus Selbsthilfegruppe:

2026: 11. Feb. - 8. Apr. - 10. Jun. - 12. Aug. - 14. Okt. - 9. Dez. 2026 (19:00 - 21:00 Uhr)
-- zum Teil mit Medizinern / Kontaktlinsenspezialisten (wird vorab bekannt gegeben).

Dauerhafter Link zum KeraLens-"Online-Stammtisch": https://lecture.senfcall.de/ker-358-fzk-yqk
(Keine Anmeldung, kein Passwort notwendig - einfach per "Click" zur angegebenen Zeit teilnehmen)

Weitere Infos zu den Stammtischen unter: https://www.forum.keratokonus.de/viewforum.php?f=152
(Zusätzlich oder als Alternative zu den regionalen Treffen.)
Die KeraLens-Accounts der Keratokonus Selbsthilfegruppe auf Instagram und Facebook werden im Verlauf von 2026 gelöscht/deaktiviert.

Es werden neue Kanäle aufgebaut, wie z.B. auf Mastodon und Bluesky. Weitere werden folgen.

Weitere Information und Diskussion dazu bitte hier: viewtopic.php?t=6501

Hat jemand Erfahrungen mit weichen Kontaktlinsen?

Artur123
-
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Hat jemand Erfahrungen mit weichen Kontaktlinsen?

Post by Artur123 »

Hat schonmal jemand weiche keratokonus Linsen ausprobiert?

Gruß Artur
KeraToni
Moderator/in
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KC-Experience: leichter KC (li. I-II; re.II-III);
Keratoconus since: Diagnose mit ca 18/20, ca. 5-7 Jahre bis zur korrekten Diagnose: Scans im Abstand von 2-4 Jahren zeigen kaum Veränderungen
Experience with eyeglasses / lenses: Verschiedene Brille(n) reichen meist; Sehstärke liegt seit vielen Jahren so bei 80-90% - das ist Ok; ganz selten weiche TagesLinsen oder Huckepack
Operationen: - gegen CXL entschieden
Begeiterscheinungen: trockene Augen, Hautprobleme; Je älter ich werde, desto unwichtiger wird der Keratokonus - es ist halt alles "relativ".
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Re: Hat jemand Erfahrungen mit weichen Kontaktlinsen?

Post by KeraToni »

Hallo Artur123,

hast du die etwas älteren Beiträge zu diesem Thema gesehen? / die Autoren angeschrieben?
....vielleicht ist ja, bzw. wird ja von denen noch jemand hier (nach Anfrage wieder) aktiv?

VG KeraToni
schill
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Re: Hat jemand Erfahrungen mit weichen Kontaktlinsen?

Post by schill »

Ich bin seit 45 Jahren Keratokonus-Patient und habe in der Tat seit einiger Zeit auch Erfahrung mit
weichen Kontaktlinsen, allerdings anders als vermutet, dazu nachfolgend mehr:

Mein Keratokonus entspricht Grad 2-3, wobei das rechte Auge eine viel unregelmäßigere Hornhautstruktur
mit diffusen Radien (alles zwischen BC=Basic Curve 6,0 und 7,5) aufweist als das linke Auge (stabil BC 7,3).
Vorab sei gesagt, dass ausschließlich weiche Kontaktlinsen hier definitiv nicht funktionieren,
da diese sich an die unregelmäßige Hornhaut anpassen und dadurch keine nennenswerte Korrektur erreicht
wird. Dies habe ich alles schon vor langer Zeit selbst ausprobiert.

Zur Korrektur trage ich deshalb zunächst einmal harte Kontaktlinsen mit den folgenden ärztlich bestimmten Werten:
Links: Bausch&Lomb Quantum 2, BC=Basic Curve 7,3 / Dpt=Dioptrien -16,75 / DIA=Diameter 9,0
Rechts: Bausch&Lomb Quantum 2, BC 7,2 / Dpt -14,25 / DIA 10,2

Das Entscheidende nun aber: Aufgrund der sehr unregelmäßigen Radien der Hornhaut im rechten Auge
gelang es über viele Jahre nie so richtig, eine gut verträgliche harte Kontaktlinse anzupassen, selbst bei
mehreren Kontaktlinsen-Anpassern mit Spezialisierung auf Keratokonus nicht. Nach kurzen Tragedauern von
wenigen Minuten bis etwa einer Stunde je nach Tageszustand ergaben sich Reizungen und Probleme.

Ich wurde dann auf hybride Kontaktlinsen aufmerksam (harte Kontaktlinsen mit weichem Unterbau, Huckpacksystem
oder Piggybacking). Da diese aber extrem teuer sind und ich keinen Anpasser in der Nähe fand, habe ich selbst überlegt:
Warum nicht einfach eine weiche Kontaktlinse mit geringem Dpt-Wert (z.B. -0,25 Dpt) in das problematische rechte
Auge einsetzen, und dann darüber eine harte Kontaktlinse mit der echten Korrektur (-14,25 Dpt)? Gesagt, getan!
Ich bestellte mir weiche Kontaktlinsen geringer Stärke (Tageslinsen Acuvue, -0,25 Dpt) im preiswerten 90er-Pack im Internet.

Diese setzte ich rechts ein, wartete eine Weile (ca. 2-3 Minuten) zur Verteilung der Tränenflüssigkeit,
und setzte dann darauf ("obendrüber"!) die harte Kontaktlinse ein (benetzt mit Einsetzflüssigkeit All-in-One für harte Linsen).
Die ersten Versuche mit einfachen harten Linsentypen (Boston ES, DK-Wert 18 / DK=Dielektrizitätskonstante für Sauerstoffdurchlässigkeit)
scheiterten, denn es zeigten sich sofort Unverträglichkeiten. Es zeigte sich nach einigen Versuchen, dass es extrem stark auf die
Sauerstoffdurchlässigkeit der harten Kontaktlinse ankommt, und dass nur ein DK-Wert um etwa 100 oder höher funktioniert.

Die Bausch&Lomb Quantum 2 verfügt über DK 210, ist also extrem gasdurchlässig, und dies funktionierte.
Mit dem Material Boston XO (DK-Wert 100) funktionierte es bzgl. Verträglichkeit auch, mit geringeren Werten
(z.B. Boston ES2, DK-Wert 58) dagegen nicht.

Im Internet wird an mehreren Stellen von solchen "Doppel"-Lösungen strikt abgeraten - durchaus aus guten Gründen -,
denn eine naive Kombination von zwei Kontaktlinsen auf dem gleichen Auge führt tatsächlich zu Unverträglichkeiten
und schließlich zu gesundheitlichen Gefahren für das Auge. Beachtet man aber die Details zum Thema Sauerstoffdurchlässigkeit,
so finden sich eben doch Lösungen, bei denen die pauschalen Warnungen im Internet dann schließlich zu relativieren sind.

So, und nun das beste im Gesamtergebnis: Ich vertrage die Kombination von weicher Tageslinse und darüber harter
Keratokonus-Linse mit hohem DK-Wert extrem gut mit Tragezeiten von problemlos 14-16 Stunden am Tag. Und ich
erreiche fast 100% Sehkraft in der Ferne, und das mit dem problematischen Auge. Regelmäßige ärztliche Nachuntersuchungen
durch meinen Augenarzt (2x pro Jahr) ergaben normale, unauffällige Resultate, d.h. keine Stippen oder gar Narben auf
der Hornhaut, keine Rötungen der Bindehaut, normaler Augendruck, und vor allem 100% Sicht - gerade darüber war
der Augenarzt besonders erstaunt und gratulierte mir sogar zu meiner Lösung.

Nachdem ich dies nun seit mehreren Jahren so praktiziere (im Alter von 59 Jahren), gehe ich davon aus, dass der
Zustand auch mittelfristig stabil bleibt. Ein regelmäßiges Monitoring durch meinen Augenarzt ist natürlich selbstverständlich.

Zum Schluss noch ein kleiner ergänzender Tipp: Natürlich entwickelte sich in meinem Alter (59) inzwischen auch eine
gewisse Alterssichtigkeit. Für das Lesen in der Nähe bräuchte ich eigentlich eine Lesebrille mit ca. +2,00 bis +2,50 Dpt.
Warum aber so umständlich, dachte ich mir: Ich bestellte mir ergänzend für ein Auge (für das linke) einfach eine
harte Kontaktlinse mit etwas weniger Minus-Stärke (-14,5 Dpt statt -16,75 Dpt), und jetzt habe ich ein Nah-Auge (links)
und ein Fern-Auge (rechts)! Beim Autofahren setze ich natürlich Kontaktlinsen für zwei Fern-Augen ein (also -16,75 Dpt links).
Die harten Kontaktlinsen bestelle ich durchweg selbst - nach Bestimmung der Werte durch den Arzt - für wenig Geld im
Internet (60€ das Stück!). Die Passfähigkeit wird anschließend wieder ärztlich geprüft und bestätigt.

Ich würde mich freuen, wenn ihr hiervon einige Anregungen mitnehmen könntet. Keratokonus ist nicht oder kaum heilbar,
aber häufig behandelbar, durchaus auch ohne Operation wie Vernetzung oder Keratoplastik (beides habe ich nie in konkretere
Erwägung gezogen). Man sollte niemals aufgeben.
Und alle Maßnahmen sind natürlich in engstem Rahmen ärztlich zu begleiten. Das heißt aber nicht, dass man nicht selbst auch
kreativ sein darf, so lange der Arzt das mit begutachtet! Nichts läßt sich verallgemeinern, jeder Fall liegt anders,
deshalb sind alle Hinweise und Tipps völlig unverbindlich und ohne jede Gewähr. Auch ist zu beachten, dass mein Keratokonus-Grad
noch bei 2-3 liegt mit BC-Werten zwischen 6 und 7 mm; bei deutlich extremeren Werten mit Keratokonus-Grad 3-5 und BC<6 mm
liegt der Fall natürlich nochmals ganz anders und wird noch schwieriger zu behandeln sein...