falls es jemandem aufgefallen ist - jetzt hab ich mich ja länger mal nicht gemeldet. Grund war, dass es einmal nicht wirklich so viel neues gab (jedenfalls keine harten Fakten), andererseits war ich auch viel unterwegs.
Heute war es dann aber soweit: Nach Wochen des Wartens, der Termin- und OP-Ort-Verschiebungen (hatte zwischenzeitlich in Dresden schon alles klar gemacht...) bin ich heute früh pünktlich um neun im ALZ München zur Vernetzung angetreten.
Nun liegt die OP rd. 6 Stunden zurück und ich ziehe mal kurz ne Bilanz. Dafür, dass die etwas kürzer ausfallen wird, bitte ich um Verständnis...
Zu aller erst: Es gibt überhaupt nichts, wovor man bei der Vernetzung Angst haben braucht. Ich hatte bisher zu keiner Zeit Schmerzen und die OP selber ist geradezu langweilig.
Aber mal der Reihe nach...
Anfahrt nach München: Zeit einplanen. Die Kombination aus Rush-Hour und Wiesn hat es in sich. Das "Parkhaus am Stachus" liegt direkt an der Rückseite des ALZ (http://www.gutsehen.de).
Der Eingang zur Bayerstr. 3 ist gleich hinterm Kaufhof am Stachus. Wenn nach dem Klingeln nichts passiert einfach so lange klingeln, wie was passiert. Bei uns war die Dame am Empfang wohl gerade nicht in Stellung..
Oben im 6. Stock angekommen erfolgt dann erstmal ein netter Empfang mit Kaffee, Wasser und Formblättern. Es folgen einmal mehr die ganzen üblichen Untersuchungen (Topo, Pupilometer, Innendruck, Dickemessung usw. usw.). Das ganze erinnert stark an den Stationenlauf früher im Schulsport: Guggen Sie hier, blinseln Sie da... Ich denke, wir kennen das ja alle.
Trotz auffallend schlechter "Tagesform" meiner Augen kam ich mit Brille auf 100% beidseits. Alle Untersuchungen bis auf Innendruck und Hornhautdicke sind kontaktlos und auch die anderen sind dank Tropfen "schwerz-" oder besser völlig gefühlsfrei.
Dauer ca. 2 Stunden. Alle Daten liefere ich noch nach...
Zwischendurch habe ich dann auch den Operateur Dr. Bauer erstmals kennen gelernt... Nun ist ja die Artzt/Patienten-Beziehung immer so eine "Sache". Ich für meinen Teil kann jedenfalls sagen: Ich mag ihn. Zwar ist er kein Mann vieler Worte oder der größte Verkäufer seiner Zunft, aber wenn ich quatschen will geh ich eh zum Friseur.
Auch verfügt er über ein - im Vergleich zum Prof - doch etwas "subtileres" Einfühlungsvermögen und so blieb an mir der latente Eindruck haften, dass der Doc vom Ergebnis dieser ersten Vernetzung in München mind. so "gespannt" ist wie ich...
Beispiel: Während der OP nannte er als Begründung dafür, warum ich der erste bin, neben meiner noch vorh. Sehstärke und HH-Dicke auch die Tatsache, dass ich in Dresden eh schon einen Termin für den gleichen Tag hatte. Deshalb wäre es mit dem ärztlichen Gewissen in jedem Fall vereinbar, zu operieren, weil passiert wäre es ja so oder so... - ich nahm´s sportlich...
Dann, nach zwei Stunden Pause und Kaufhof- und Hertiebesuch dann pünktliche Rückmeldung im OP-Bereich (5. Stock). Wieder netter Empfang mit Kaffee und Wasser inkl. Wartebereich mit Internet-PC. Also noch kurz dieses Forum, Mails und Ebay gecheckt und dann die ersten von drei Betäubungstropfen empfangen, der Empfangsdame zum Umziehbereich gefolgt, die Papierkluft übergeworfen, Hände desinfiziert und auf in den OP.
In Sachen "psychologische Betreuung" gings auch hier in gewohnter Weise weiter. Nachdem mich von den Anwesenden (Dr. Bauer, ein oder zwei OP-Schwerstern und 3 Vertreter des Riboflavin und Lampenlieferanten) keiner beachtete schmetterte ich erstmal ein "GUTN TACH!" in die Reihen - die Reaktion blieben übersichtlich, also legte ich mich erstmal auf die zugewiesene, bequeme Liege...
Wichtiger Tipp zum OP-Bereich: ZIEHT EUCH WARM AN. Ich hatte ein Longsleeve und ne Strickjacke drüber und das war nicht zu viel. Im t-Shirts hätte ich da bei klimatisierten 20 Grad jedenfalls nicht rumliegen wollen.
Dann gings los...
1. Überraschung: Diese Lid-Spange hatte ich mir als Folterinstrument erster Klasse ausgemahlt, doch vom einsetzen hab ich kauf was gemerkt. Mit Dr. Bauer kann man auch während der OP problemlos reden, sollte das Ding unangenehm werden. Bei bestimmten Phasen kann er auch etwas nachlassen. Man kann auch "Blinseln" - dabei geht das Lid zwar natürlich nicht zu, aber dem Muskel tuts trotzdem gut. Es gibt also kein ungenehmes Gefühl einer "Augensperre" oder sowas...
Schritt 1: Epithel ablösen
nix besonderes und völlig schmerzfrei. Das sieht ungefähr so aus, als wenn man beim Tauchen von unten durch die Wasseroberfläche schaut und dort gerade jemand rumschwimmt. Oder wer bei Grafiksoftware das "Wischfinger-Werkzeug" kennt, das triffts auch. Jedenfalls fuhr mir da Dr. Bauer wohl kreuz und quer mit dem spachtelartigen Messer durch die Optik und löste die Oberschicht ab (Dauer: ne Minute, vielleicht zwei) Hinterher meinte er, das lief übrigens völlig problemlos.
Schritt 2: Eintropfen
zum Start drei Tropfen, dann alle 2 Minuten ein Tropfen. Während des gesamten Vorgangs schaut man einfach auf ne blinkende rote LED, die in die Decke des OP-Tischs eingelassen ist, auf dem man liegt. Die Optik dabei ist schon toll und ziemlich verspult. Der rote Punkt breitet sich zeitweise wie als eine Art "Laser-Netz" übers gesamte Blickfeld aus und nach jedem Tropfen Riboblavin ist es, als ob einen der grüne "Slimer" von den GhostBusters frontal erwischt hat (Dauer: 30 Minuten)
Während der 30 Minunten herrschte übrigens weitgehend Funkstille. Von "tollen Gesprächen zum Zeitvertreib" wie in Dresden kann ich leider nichts berichten. Möglicher Weise lags auch an der doch vorhandenen Nervosität wegen der neuen OP-Methode. Wenigstens e-t-w-a-s Spannung kam dann noch auf, als einer der Vertreter des Lampenherstellers versucht hat, bei der OP-Schwester zu landen. Auch wenn für ihn persönlich eher enttäuschend war ich ihm doch für diese ungewollt komödiantische Abwechslung dankbar...
Nun wollte sich Dr. Bauer sein Eintropf-Werk dann unter einer "blauen Lampe" betrachten. Dummer Weise war eine solche Lampe im OP-Tisch nicht verfügbar, deshalb musste ich aufstehen und zu einem Untersuchungsplatz zwischen den OPs zurücklaufen. Dort durften sich dann alle - außer mir - das Werk auf einem großen Display anschauen (gefilmt wurde wohl auch). Naja, jedenfalls war wohl alles schön grün, irgend jemand meinte "gut getropft" und dann gings zurück zum Aushärten
Schritt 3: Eintropfen und Verhärten
Kaum wieder auf dem OP-Tisch angekommen merkte ich, dass das Auge langsam wieder beginnt Feedback zu senden. Also bat ich Dr. Bauer, nochmal Betäubungsmittel hinterherzuschicken was er sofort tat. 10 Sekunden später war dann schon wieder totale Taubheit in der Optik und weiter gings mit dem Eingetropfe des Riboblavin, dieses Mal 1-2 Tropfen alle 3 Minuten UND dieses mal unter der vieldiskutierten und nun endlich gelieferten und erstmals im Einsatz befindlichen UV-Lampe. Wenn ihr mich fragt: Das Ding sieht aus wie bei innenbeleuchteter Glasbaustein und ich habe fest vor, demnächst bei Ebay danach zu suchen...
Im Übrigen hat mir das Ding ein echtes Rätsel zu knacken gegeben: Während des Eintropfens unter der Lampe hatte ich nämlich auf einmal den Eindruck, schwarze Punkte (Staubpartikel etc.) im Auge (Hauptsichtbereich) zu haben. Da dachte ich mir natürlich schon mal kurz, was ist, wenn die nun bleiben. Nach einiger Zeit intensiven Grübelns kam ich dann aber drauf: Der Dreck, den ich da sehe, ist nicht in meinem Auge sondern hinter den Dioden im Spiegel der UV-Lampe...
Dann, nach insg. 1. Stunde OP-Dauer ging es kurz und schwerzlos... - noch schnell die Verbandslinse drauf, aufstehen, verabschieden, umziehen, Klappe aufs Auge, fertig.
Dann noch schnell zur Apotheke Tropfen und Schmerztabletten besorgen (insg. 80 Euro), ne Pizza vom PizzaHutexpr. im Vorbeigehen noch eingefangen und zu Papi ins Auto.
Und dann: Basierend auf meinen angelesenen Erfahrungen hier aus dem Forum wartete ich drauf, dass eine WAHNSINNIGE LICHTEMPFINDLICHKEIT und natürlich UNGLAUBLICHE SCHMERZEN einsetzen
Und was soll ich sagen. Ich warte immer noch...
Eine erhöhte Lichtempfindlichkeit kann ich definitiv überhaupt nicht vermelden. Und die Schmerzen? Also vor drei Wochen hab ich mir den Daumen zwischen einer Konzert-Lautsprecherbox und einem Festerbrett eingeklemmt. Der musste dann angebohrt werden. DAS waren Schmerzen...
Dagegen hatte ich heute - ganz ehrlich - bisher überhaupt keine Schmerzen. Von meinen Schmerztabletten habe ich bisher 3 genommen. Zwei gleich auf der Rückfahrt "auf Vorrat" und die dritte als ich dachte, "jetzt geht´s los". Gings aber nicht...
Morgen, Mittwoch, um neun ist die erste Nachuntersuchung. Nr. 3 und 4 folgen Do und Fr.. Infos folgen (dann auch mit allen Werten, Medikamentennamen, Tropfschema usw).
Greetz
Jürgen
ps: Verzeiht mir bitte meine Schreibfehler. Mit einem Auge schreiben ist doof...